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Flor Namdar

Fremd im eigenen Land

Flor Namdar stammt aus dem Iran. Als sie zum christlichen Glauben konvertiert, muss sie in den Untergrund gehen. Als Missionarin und Übersetzerin gelangt sie nach Deutschland, studiert Theologie und gründet als evangelische Pastorin eine persischsprachige Gemeinde. Jetzt erzählt sie ihre Geschichte.

Flor Namdar


Liebe Flor, du berichtest ziemlich eindrücklich von deiner Kindheit und Jugend im Iran. Beim Lesen geht es einem, als würde man durch ein Schlüsselloch in eine fremde Welt blicken. Schönes hat darin genauso seinen Platz wie Schweres. Was hat dich am meisten geprägt?

Im Nachhinein würde ich sagen, dass mich zwei Dinge besonders geprägt haben: im negativen Sinne die Erfahrung, im eigenen Heimatland unablässig wie eine Fremde behandelt zu werden und mich nie zu Hause zu fühlen. Und im positiven Sinne die von Selbstlosigkeit, Mut und Hilfsbereitschaft geprägte Lebenshaltung meiner Mutter.

Auf sehr eindrückliche Weise beschreibst du deinen Weg von einer gläubigen Muslimin zu einer Frau, die nicht mehr glauben konnte. Bis Jesus in dein Leben trat. Hast du damals geahnt, dass das weitreichende Konsequenzen haben würde?

Als Muslimin und selbst als Atheistin hatte ich nie aufgehört, tief in meinem Herzen die Liebe und den Frieden eines liebevollen Vaters im Himmel zu suchen. Als ich Christ wurde, fand ich bei Jesus, wonach ich mich immer gesehnt hatte. Diese Erfahrung war so tief, dass es mir in diesem Moment egal war, ob ich dafür ins Gefängnis komme oder sogar hingerichtet werde. Denn Jesus sagte ja: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle“ (Matthäus 10,28). Wer als Muslim im Iran konvertiert, weiß, dass dies weitreichende Konsequenzen hat, aber dass ich einmal als Pastorin in Deutschland arbeiten würde, ahnte ich natürlich nicht.

Der Iran hat nicht gerade den Ruf, ein Land zu sein, in dem Religionsfreiheit herrscht. Hat sich seit der Zeit – als du das Land verlassen hast – bis heute etwas für die Christen geändert?

Nein. Es gibt weiterhin keine Freiheit für die Konvertierten. Wer als Muslim zu Jesus findet, wird entweder von den eigenen Verwandten und seinem sozialen Umfeld bedroht – oder von der Regierung.  
 
Du bist 1994 mit deiner Tochter nach Deutschland gekommen, um hier eine Stelle anzunehmen. War dir da klar, dass du nie wieder in dein Heimatland zurückkehren kannst?

Nein, das wurde mir erst klar, als ich bemerkte, dass der Stempel in meinen Pass mich explizit als Missionarin auswies.  

Was hat dich am meisten an Deutschland irritiert?

Ein paar Beispiele erwähne ich in meinem Buch. Aber am meisten irritierte mich die direkte Art der Deutschen, weil ich aus einem Kulturkreis komme, wo wir sehr indirekt sind und meistens durch die Blume sprechen.
 
Und was war eine positive Überraschung?

Die Glaubensfreiheit. Dass die Würde der Menschen unantastbar ist. Und dass man seine Meinung ohne Angst sagen darf, auch gegenüber Politikern und der Regierung.

„Flor Namdar“ ist nicht dein richtiger Name, dieser muss geheim bleiben. Liegt das daran, dass du persönlich in Deutschland bedroht wirst –  oder dient dies eher zum Schutz der Mitglieder deiner Gemeinde?

Beides trifft zu. Denn meine Mitglieder und ich werden als Konvertierte auch in Europa verfolgt und befinden uns in Gefahr.


„Wir alle sind Fremde. Niemand von uns kann sagen: Hier ist mein Zuhause. Denn unsere wahre Heimat ist nicht diese Erde, sondern der Ort, an dem wir ohne alles Trennende auf immer mit Gott, unserem Vater verbunden sind. Unsere Aufgabe besteht deshalb darin, so zu leben, dass unsere eigentliche Heimat Stück für Stück sichtbarer wird – wo auch immer wir sind.“

© Gerth Medien 2017

In Flor Namdars bewegende Lebensgeschichte können Sie hier reinlesen.

 

 

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